node created 2019/09/29
Der etwas ältere Mensch ist nicht mehr gefährdet durch die Nachstellungen weiblicher Frauen. Weil sie wissen, dass der verstorbene Geschlechtstrieb so leicht nicht mehr zu erwecken ist. Und er selbst, also der ehemalige Sexbereite, vergisst nach und nach seine Sexwilligkeit und erspart sich damit viel Ärger. Wenn er nicht mehr daran denkt, was ihn bis da ja völlig ausfüllte, kann er sich endlich mit vernünftigen Denkthemen beschäftigen. Oder er kann etwas lesen.
BILD (2011)
Die Deutschnationalen schließlich, die konservativen Rechtskreise, die "Ehre" und "Heroismus" geradezu als ihr Parteiprogramm vindizierten - o Gott, wie überaus ehrlos und feige war das Schauspiel, das ihre Führer ihren Anhängern im Jahre 1933 und seither vorführten! Nachdern sich die Erwartung des 30. Januar, daß sie die Nazis "eingefangen" hätten und "unschädlich machen" würden, enttäuscht hatten, erwartete man wenigstens von ihnen, daß sie "bremsen" und "das Schlimmste verhüten" würden. Nichts da; sie machten alles mit, den Terror, die Judenverfolgungen, die Christenverfolgungen, ja sie ließen sich nicht dadurch stören, daß man ihre Partei verbot, ihre Anhänger verhaftete. Sozialistische Funktionäre, die ihre Wähler und Anhänger im Stich lassen und fliehen, sind, als Erscheinung, trübselig genug. Was aber soll man zu adligen Offizieren sagen, die zusehen, wie ihre nächsten Freunde und Mitarbeiter erschossen werden - wie der Herr von Papen - und weiter im Amt bleiben und "Heil Hitler" rufen?!

Wie die Parteien, so die Bünde. Es gab einen "Kommunistischen Frontkämpferbund", es gab ein "Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold", militärisch organisiert, nicht ganz waffenlos, mit Millionen Angehöriger, ausdrücklich dazu bestimmt, im Notfall die SA in Schach zu halten. Man bemerkte die ganze Zeit über nichts von diesem "Reichsbanner", überhaupt nichts, nicht das Geringste. Es verschwand spurlos, als wäre es nie dagewesen. Widerstand gab es in ganz Deutschland höchstens als individuelle Verzweiflungstat - wie bei jenem Gewerkschaftsmann aus Cöpenick. Die Reichsbanneroffiziere schwangen sich nirgends auch nur zu einer Spur von Gegenwehr auf, wenn ihre Verbandshäuser von der SA "übernommen" wurden. Der "Stahlhelm", die Armee der Deutschnationalen, ließ sich gleichschalten und später stückweise auflösen, murrend aber widerstandslos. Es gab nicht *ein* Beispiel von Verteidigungsenergie, Mannhaftigkeit, Haltung. Es gab nur Panik, Flucht und Überlauferei. Millionen waren im März 1933 noch kampfbereit. Sie fanden sich über Nacht führerlos, waffenlos und verraten. Ein Teil von ihnen suchte noch, verzweifelt, Anschluß beim "Stahlhelm" und bei den Deutschnationalen, als sich zeigte, daß die andern nicht kämpften. Deren Mitgliederzahlen schwollen ein paar Wochen lang unheimlich an. Dann wurden auch sie aufgelöst - und kapitulierten kampflos.

Dieses furchtbare moralische Versagen der gegnerischen Führung ist ein Grundzug der "Revolution" vom März 1933. Es machte den Nazis den Sieg sehr leicht. Es stellt freilich auch den Wert und die Dauerhaftigkeit dieses Sieges in Frage. Das Hakenkreuz ist in die deutsche Masse nicht hineingeprägt worden wie in eine widerstrebende, aber dafür auch formfähige, feste Substanz, sondern wie in einen formlos-nachgiebigen, breiigen Teig. Der Teig mag ebenso leicht und widerstandslos eine andere Form annehmen, wenn der Tag kommt. Freilich besteht seit März 1933 die unbeantwortete Frage, ob es überhaupt lohnt, ihn zu formen. Denn die moralische Wesensschwäche Deutschlands, die damals zutagegetreten ist, ist zu ungeheuerlich, als daß nicht die Geschichte eines Tages Konsequenzen aus ihr ziehen sollte.

Jede Revolution bei anderen Völkern hat, wieviel Blutverlust und momentane Schwächung sie immer mit sich bringen mochte, zu einer ungeheuren Steigerung aller moralischen Energien auf beiden kämpfenden Seiten geführt - und damit, auf lange Sicht, zu einer ungeheuren Stärkung der Nation. Man betrachte die ungeheure Menge von Heldenmut, Todesverachtung und menschlicher Größe, die - gewiß neben Ausschreitung, Grausamkeit und Gewalt - von Jakobinern wie Royalisten im revolutionären Frankreich, von Francoleuten wie von Republikanern im heutigen Spanien entfaltet worden ist! Wie immer der Ausgang sein mag - die Tapferkeit, mit der um ihn gerungen wurde, bleibt als unerschöpflicher Kraftquell im Bewußtsein der Nation. Die heutigen Deutschen haben an der Stelle, wo dieser Kraftquell entspringen müßte, nur die Erinnerung an Schande, Feigheit und Schwäche. Das wird unfehlbar eines Tages seine Wirkungen zeigen; sehr möglicherweise in der Auflösung der deutschen Nation und ihrer staatlichen Form.

- Aus diesem Verrat der Gegner und dem Gefühl der Hilflosigkeit, der Schwäche und des Ekels, das er erzeugte, wurde das Dritte Reich geboren. Am 5. März waren die Nazis noch in der Minderheit geblieben. Drei Wochen später hatten sie, wäre noch einmal gewählt worden, wahrscheinlich wirklich die Mehrheit gehabt. Nicht nur der Terror hatte inzwischen seine Wirkung getan, nicht nur die Feste hatten viele berauscht (die Deutschen berauschen sich so gern an patriotischen Festen). Entscheidend war, daß die Wut und der Ekel gegen die eigene feig-verräterische Führung ihm Augenblick stärker wurde als die Wut und der Haß gegen den eigentlichen Feind. Zu Hunderttausenden traten auf einmal während des März 1933 Leute der Nazipartei bei, die bis dahin gegen sie gestanden hatten - die sogenannten "Märzgefallenen", beargwöhnt und verachtet von den Nazis selbst. Zu Hunderttausenden gingen, jetzt zu allererst, auch Arbeiter aus ihren sozialdemokratischen oder kommunistischen Organisationen hinüber in die nazistischen "Betriebszellen" oder in die SA. Die Gründe, aus denen sie es taten, waren verschieden, und oft war es ein ganzer Knäuel von Gründen. Aber wie lange man auch sucht, man wird nicht *einen* starken, stichfesten, haltbaren und positiven darunter finden - nicht einen, der sich sehen lassen kann. Der Vorgang trug, in jedem Einzelfall, unverkennbar alle Merkmale eines Nervenzusammenbruchs.
"Geschichte eines Deutschen"
Wir wollen uns nicht als Märtyrer fühlen, obwohl wir manchmal Grund dazu hätten. Denn die Reinheit unserer Gesinnung lassen wir uns von niemanden antasten. Unsere innere Kraft und Stärke ist unsere stärkste Waffe.
27. November 1937
Das Schöne an solchen Briefen ist, daß sie am Schluß nach vorne hin unwahr werden. Mir ist jetzt viel leichter als am Anfang.
Natürlich ist es "nützlicher", Unrecht zu tun als Unrecht zu leiden; um des denkenden Dialogs mit mir selbst willen muss gerade dieser Nützlichkeitsstandpunkt aufgegeben werden.
"Wahrheit und Politik"
Der wohl hervorstechendste und auch erschreckendste Aspekt der deutschen Realitätsflucht liegt in der Haltung, mit Tatsachen so umzugehen, als handele es sich um bloße Meinungen.
"Nach Auschwitz. Essays & Kommentare"
Predige nicht den schmalen Pfad, während du fröhlich auf dem weiten gehst. Predige den weiten Pfad, oder predige gar nicht; aber halte dich nicht selbst zum Narren, indem du sagst, du würdest gerne helfen, eine freie Gesellschaft einzuleiten, aber du kannst dafür keinen Lehnstuhl opfern. Sage ehrlich, "Ich liebe Lehnstühle mehr als freie Menschen, und wähle es nach ihnen zu streben; nicht, weil der Umstand mich dazu zwingt. Ich liebe Hüte, große, große Hüte, mit vielen Federn und grossen Bögen; und ich möchte lieber diese Hüte haben, als mich mit sozialen Träumen zu sorgen, die zu meinen Lebzeiten nie verwirklicht sein werden. Die Welt betet Hüte an, und ich möchte mit ihnen beten."

Solltest du aber die Freiheit und den Stolz und die Stärke der einzelnen Seele suchen, und die freie Brüderlichkeit der Menschen, als den Zweck, den dein Leben manifestieren soll, dann verkaufe es nicht für Krimskrams. Glaube, dass deine Seele stark ist und den Weg beibehalten kann; und langsam, durch erbittertes Ringen, wird vielleicht die Stärke wachsen. Und der Verzicht auf Besitztümer, für die andere die letzte Möglichkeit der Freiheit eintauschen, wird einfach werden.

Am Ende deines Lebens kannst du deine Augen schließen und sagen: "Ich wurde nicht dominiert von der dominanten Idee meines Zeitalters; Ich habe meine Loyalität selbst ausgesucht, und habe ihr gedient. Ich habe durch eine Lebenszeit bewiesen, dass es etwas im Menschen gibt, das ihn vor absoluter Tyrannei der Umstände rettet, und letztlich die Umstände erobert und umformt; das unsterbliche Feuer des einzelnen Willen, welches die Erlösung der Zukunft ist.
Ich bin zwar im täglichen Leben ein typischer Einspänner, aber das Bewusstsein, der unsichtbaren Gemeinschaft derjenigen anzugehören, die nach Wahrheit, Schönheit und Gerechtigkeit streben, hat das Gefühl der Vereinsamung nicht aufkommen lassen. Das Schönste und Tiefste, was der Mensch erleben kann, ist das Gefühl des Geheimnisvollen. Es liegt der Religion sowie allem tieferen Streben in Kunst und Wissenschaft zugrunde. Wer dies nicht erlebt hat, erscheint mir wenn nicht wie ein Toter, so doch wie ein Blinder. Zu empfinden, dass hinter dem Erlebbaren ein für unseren Geist Unerreichbares verborgen sei, dessen Schönheit und Erhabenheit uns nur mittelbar und in schwachem Widerschein erreicht, - das ist Religiosität. In diesem Sinne bin ich religiös. Es ist mir genug, diese Geheimnisse zu ahnen und zu versuchen, von der erhabenen Struktur des Seienden in Demut ein mattes Abbild geistig zu erfassen.
Es gibt keine Absurdität, die so handgreiflich wäre, daß man sie nicht allen Menschen fest in den Kopf setzen könnte, wenn man nur schon vor ihrem sechsten Jahre, anfienge, sie ihnen einzuprägen, indem man unablässig und mit feierlichstem Ernst sie ihnen vorsagte.
Ein normaler Mensch sagt: "Ich habe gerade keine Lust."

Die Menschmaschine aus der Redaktion von Spiegel Online sagt: "Ich bin ein Jetzt­gerade­keine­lust­haber."
Frage: Zum Schlusse Ihrer nun umfangreichen Vernehmung habe ich die Frage an Sie zu richten, ob Sie nicht aus eigenem Entschluss etwas anzugeben haben, was zur Klärung der Sache beitragen kann oder noch nicht aufgeklärt ist.

Antwort: Auf diese Frage möchte ich noch angeben, dass ich am 5. oder 6. Februar 1943, nachdem ich am 4.2. an der Universität die Aufschrift "Freiheit" gesehen hatte, meinen Bruder unter vier Augen mit den Worten zur Rede stellt: "Das stammt wohl von Dir?" ich meinte damit, das Anschreiben des Wortes "Freiheit", worauf ich von ihm lachend die Bestätigung erhielt. Ich weiss nicht mehr ob er nur mit [dem] Kopf nickte, oder meine Frage mit "ja" beantwortete. Ich habe meinem Bruder in diesem Zusammenhang den Rat gegeben, mich bei ähnlichen Schmierereien mitzunehmen, um ihn vor evtl. Überraschungen zu schützen.
Du mußt in dein ganzes Leben wie in jede einzelne Handlung Ordnung bringen, und wenn du dir bei allen Handlungen sagen kannst: Ich tat nach besten Kräften, so kannst du ruhig sein, und daß du deine ganze Kraft einsetztest, daran kann dich niemand hindern. "Aber es kann sich von außen her ein Widerstand erheben?" Gewiß keiner gegen ein gerechtes, besonnenes und überlegtes Handeln. Aber vielleicht tritt sonst etwas deiner Tätigkeit in den Weg? Doch lässest du dir nur jenes Hindernis gefallen und schreitest zu dem, was dir noch freisteht, mit Überlegung fort, so tritt sogleich ein neuer Gegenstand der Tätigkeit an die Stelle und wird sich in die Lebensordnung fügen, von der wir reden.
"Selbstbetrachtungen"
Es ward nie grossere Mannhaftigkeit noch Streit noch Kampf, als wenn einer sich selbst vergisst und verleugnet.
Obgleich wir wissen, daß die nationalsozialistische Macht militärisch gebrochen werden muß, suchen wir eine Erneuerung des schwerverwundeten deutschen Geistes von innen her zu erreichen. Dieser Wiedergeburt muß aber die klare Erkenntnis aller Schuld, die das deutsche Volk auf sich geladen hat, und ein rücksichtsloser Kampf gegen Hitler und seine allzuvielen Helfershelfer, Parteimitglieder, Quislinge usw. vorausgehen. Mit aller Brutalität muß die Kluft zwischen dem besseren Teil des Volkes und allem, was mit dem Nationalsozialismus zusammenhängt, aufgerissen werden. Für Hitler und seine Anhänger gibt es auf dieser Erde keine Strafe, die ihren Taten gerecht wäre.

Aber aus Liebe zu kommenden Generationen muß nach Beendigung des Krieges ein Exempel statuiert werden, daß niemand auch nur die geringste Lust je verspüren sollte, Ähnliches aufs neue zu versuchen. Vergeßt auch nicht die kleinen Schurken dieses Systems, merkt Euch die Namen, auf daß keiner entkomme! Es soll ihnen nicht gelingen, in letzter Minute noch nach diesen Scheußlichkeiten die Fahne zu wechseln und so zu tun, als ob nichts gewesen wäre!
Wenn man von oben hinunterschaut auf den kleinen blauen Planeten mit seiner dünnen Schutzhülle und dem unendlichen Schwarz drumherum, wird klar, dass wir unseren Heimatplaneten viel mehr als Geschenk erkennen sollten, denn wir haben nur einen.
Die Bürger demokratischer Gesellschaften sollten Kurse für geistige Selbstverteidigung besuchen, um sich gegen Manipulation und Kontrolle wehren zu können.
Mein politisches Ideal ist das demokratische. Jeder soll als Person respektiert und keiner vergöttert sein. Eine Ironie des Schicksals, dass die anderen Menschen mir selbst viel zuviel Bewunderung und Verehrung entgegengebracht haben, ohne meine Schuld und ohne mein Verdienst.
"Wie ich die Welt sehe"
Indoktrination ist keineswegs inkompatibel mit der Demokratie. Vielmehr ihre Essenz. Ohne Knüppel, ohne Kontrolle durch Gewalt muss man das Denken kontrollieren. Dazu greift man zu dem, was in ehrlicheren Zeiten Propaganda genannt wurde.
Man muss etwas machen, um selbst keine Schuld zu haben.
Quarantäne-Häuser sprießen
Ärzte, Betten überall,
Forscher forschen, Gelder fließen -
Politik mit Überschall.
Also hat sie klargestellt:
Wenn sie will, dann kann die Welt.

Also will sie nicht beenden
das Krepieren in den Kriegen,
Das Verrecken vor den Stränden
und dass Kinder schreiend liegen
in den Zelten, zitternd, nass.
Also will sie. Alles das.