node created 2019/09/29
Ein Hamsterrad sieht von innen aus wie eine Karriereleiter.
Da können sie lange schrubben, das ist Teerfarbe.
Über Putzfrauen, die die über einen Meter hohe Inschrift "Freiheit" von der Fassade der Universität abzuputzen versuchen.
Die Einsamkeit macht uns härter gegen uns und sehnsüchtiger gegen die Menschen: in beidem verbessert sie den Charakter.
Sei friedlich. Sich nicht rächen kann auch eine Rache sein.
Wenn man von oben hinunterschaut auf den kleinen blauen Planeten mit seiner dünnen Schutzhülle und dem unendlichen Schwarz drumherum, wird klar, dass wir unseren Heimatplaneten viel mehr als Geschenk erkennen sollten, denn wir haben nur einen.
Verbringe die Zeit nicht mit der Suche nach einem Hindernis. Vielleicht ist keines da.
In diesem Buche ist noch nicht das Sprichwort befolgt worden "In einen geschlossenen Mund kommt keine Fliege". Deshalb ist es voll Fliegen. Am besten es immer zugeklappt halten.
Widmung an Gertrud Thieberger in der Erstausgabe von "Betrachtung" (wahrscheinlich Frühjahr 1913)
Wenn du mit jemandem verkehrst, lege dir sogleich die Frage vor: Welche Grundsätze hat er von dem Guten und von dem Bösen? Denn nach den Ansichten, die er von Lust und Schmerz und den Ursachen beider, von Ehre und Unehre, Tod und Leben hegt, kann es mich nicht wundern noch befremden, wenn er so und so handelt. Vielmehr will ich dabei bedenken, daß er gezwungen ist, so zu handeln.
"Selbstbetrachtungen"
Alle idealen Staatsformen sind Utopien. Ein Staat kann nicht rein theoretisch konstruiert werden, sondern er muß ebenso wachsen, reifen wie der einzelne Mensch.
Wir wollen uns nicht als Märtyrer fühlen, obwohl wir manchmal Grund dazu hätten. Denn die Reinheit unserer Gesinnung lassen wir uns von niemanden antasten. Unsere innere Kraft und Stärke ist unsere stärkste Waffe.
27. November 1937
Wir urteilen über Vergangenes, nicht um Recht zu haben, sondern um -- aus den Verstrickungen der Zeit befreit -- die Dinge für die Zukunft zu bedenken.

An der Gleichschaltung 1933 könne man den Zusammenbruch des persönlichen Urteilsvermögens studieren, so Arendt. Sobald man heutzutage an einer bestimmten Person eine besondere Schuld festmache, anstatt die Schuld für alle Taten bei geschichtlichen Bedingungen und dialektischen Bewegungen zu suchen, wer man angegriffen; und wer immer auch nur beiläufig moralische Fragen aufwerfe, sei mit einem erschreckenden Mangel an Selbstvertrauen und Stolz konfrontiert. Stolz aber ist, in den Worten von Isak Dinesen, "Der Glaube an die Idee, die Gott hatte, als er uns schuf. Ein stolzer Mensch trachtet danach, im Lichte dieser Idee zu leben und sie zu verwirklichen."

Indem wir über eine Geschichte nachdenken, sie uns und anderen immer neu erzählen und auf diese Weise, nachdem sie zu einem Ende gekommen ist, anfangen, "kräftig ins Urteilen" zu kommen, hört die Geschichte auf, eine Folge nackter Ereignisse zu sein. Die Tatsachen, und seien sie noch so grausam, müssen bewahrt werden, nicht, damit wir nicht vergessen, sondern damit wir urteilen können. Schließlich ist es die Fähigkeit zu urteilen, die uns zum Handeln befähigt. Denn jede menschliche Tat ist ja eine Entscheidung. "Hinter der Abneigung zu urteilen", so heißt es in dem hier abgedruckten Vortrag, "lauert der Verdacht, dass eigentlich niemand mehr ein frei handelndes Wesen ist."
Dass wir Gott nicht zwingen, wozu wir wollen, das liegt daran, dass uns zwei Dinge fehlen: Demut vom Grund des Herzens und kräftiges Begehren. Ich sage das bei meinem Leben, – Gott vermag in seiner göttlichen Kraft alle Dinge, aber das vermag er nicht, dass er dem Menschen, der diese zwei Dinge in sich hat, nicht Gewährung schenke. Darum gebt euch nicht mit kleinen Dingen ab, denn ihr seid nicht zu Kleinem geschaffen; denn weltliche Ehre ist nichts als eine Verwandlung und ein Irrsal der Seligkeit.
Es ist typisch für die entmutigende Oberflächlichkeit des heutigen Denkens, daß das Wort "Größe", das eine Quantität und nicht eine Qualität bezeichnet, als ein Ausdruck der Anerkennung, wie zum Beispiel "Schönheit", "Güte", "Weisheit" verwendet wird. Was heute groß ist, wird also fast automatisch als schön und gut angesehen.
"Germany: Jekyll & Hyde (1939 - Deutschland von innen betrachtet)" (1940), S. 20
Dem Blöden fährt bei jedem sinnvollen Wort der Schrecken in die Glieder.
[..] wenn die Weltgeschichte nicht so beschissen wäre, wäre es eine Lust zu leben. Dies ist's aber auf jeden Fall. Der Meinung war ich sogar in Gurs, wo ich mir die Frage [ob man sich das Leben nehmen solle] ernsthaft vorlegte und spaßhaft beantwortete.
Brief an Kurt Blumenfeld (1952)
Nur zu oft ist der Erfinder der faustische Idealist, der die Welt verbessern möchte, aber an den harten Realitäten scheitert. Will er seine Ideen durchsetzen, muß er sich mit Mächten einlassen, deren Realitätssinn schärfer und ausgeprägter ist. In der heutigen Zeit sind solche Mächte, ohne daß ich damit ein Werturteil aussprechen möchte, vornehmlich Militärs und Manager. [..] Nach meiner Erfahrung sind die Chancen des Einzelnen, sich gegen solches Paktieren zu wehren, gering.
Wer von der kausalen Gesetzmäßigkeit allen Geschehens durchdrungen ist, für den ist die Idee eines Wesens, welches in den Gang des Weltgeschehens eingreift, ganz unmöglich - vorausgesetzt allerdings, dass er es mit der Hypothese der Kausalität wirklich ernst meint. Die Furcht-Religion hat bei ihm keinen Platz, aber ebensowenig die soziale bzw. moralische Religion. Ein Gott, der belohnt und bestraft, ist für ihn schon darum undenkbar, weil der Mensch nach äußerer und innerer gesetzlicher Notwendigkeit handelt, vom Standpunkt Gottes aus also nicht verantwortlich wäre, sowenig wie ein lebloser Gegenstand für die von ihm ausgeführten Bewegungen. Man hat deshalb schon der Wissenschaft vorgeworfen, dass sie die Moral untergrabe, jedoch gewiss mit Unrecht. Das ethische Verhalten des Menschen ist wirksam auf Mitgefühl, Erziehung und soziale Bindung zu gründen und bedarf keiner religiösen Grundlage. Es stünde traurig um die Menschen, wenn sie durch Furcht vor Strafe und Hoffnung auf Belohnung nach dem Tode gebändigt werden müssten.
"Religion und Wissenschaft"
Kind, Kind, wenn du wüßtest! Sie erzählt von ihrer Hauswirtschaft in Wernigerode, von ihren Hühnern, vom Kirscheneinmachen, ja die Kirschenernte war besonders gut, doch leider gab es nicht so viel Zucker, wie man gebraucht hätte. Aber man müsse sich behelfen, es sei eben Krieg.

"Ja, es ist immer noch Krieg", nicke ich mechanisch und betrachte ihr hübsches, von keiner Not berührtes Gesicht. Ursula, denke ich, dir geht es besser als den meisten Frauen. Du hast ein schönes Haus, du hast einen tüchtigen Mann. Und er braucht nicht in die Bluthölle. Er ist Ingenieur und darf daheim an zuverlässigen Maschinen stehen.

Ursula hat nach allen Himmelsrichtungen eine loyale Seele und seit ihrer Maidenzeit beim Arbeitsdienst einige hitlerianische Spritzflecken im Gemüt. Ach, ich habe mich jahrelang viel zuwenig um die gute Ursula gekümmert. Wenn ich das nur noch einmal nachholen dürfte! Sie ist wahrhaftig ein liebes Kind, und wenn sie jetzt denkt, wer im Gefängnis sitzt, der müsse doch unrecht haben, so habe ich sie eben nicht zum geistigen Widerstand gegen diese Zeit erzogen.
"Kampf um den Kopf" (1948), Seite 120
Eine Welt, die Platz für die Öffentlichkeit haben soll, kann nicht nur für eine Generation errichtet oder nur für die Lebenden geplant sein; sie muss die Lebensspanne sterblicher Menschen übersteigen.
"Vita Activa"
Den Augenblick immer als den höchsten Brennpunkt der Existenz, auf den die ganze Vergangenheit nur vorbereitete, ansehen und genießen, das würde Leben heißen!