node created 2019/09/29
Der Mut befreit von der Sorge um das Leben, für die Freiheit der Welt. Des Mutes bedarf es, weil es in der Politik primär niemals um das Leben, sondern immer um die Welt geht, die so oder anders aussehen, so oder anders uns überdauern soll.
"Freiheit und Politik"
Was an dir Berg war
Haben sie geschleift
Und dein Tal
Schüttete man zu
Über dich führt
Ein bequemer Weg
Gottes Natur ist, dass er gibt, und sein Wesen hängt daran, dass er uns gibt, wenn wir demütig sind. Sind wir das nicht, so empfangen wir auch nichts und tun ihm Gewalt an und töten ihn. Wenn die Seele der Zeit und des Raumes ledig ist, so sendet der Vater seinen Sohn in die Seele.
"Von guten Gaben"
Geschichte wird von Menschen gemacht, aber nicht von prominenten Individuen, von fetischähnlichen Figuren, denen abzugucken wäre, wie sie sich räuspern und wie sie spucken...
Die Eltern haben eben für die Kinder nur die tierische, sinnlose, sich mit dem Kinde immerfort verwechselnde Liebe, der Erzieher hat für das Kind Achtung, und das ist im Erziehungssinn unvergleichbar mehr, selbst wenn keine Liebe mitsprechen sollte. Ich wiederhole: im Erziehungssinn; denn wenn ich die Elternliebe eine tierisch sinnlose nenne, so ist das an sich keine Minderbewertung, sie ist ein ebenso unerforschliches Geheimnis wie die kunstvoll schöpferische Liebe des Erziehers, nur in Hinsicht der Erziehung allerdings kann diese Minderbewertung gar nicht groß genug sein. Wenn sich N. eine Henne nennt, so hat sie ganz recht, jede Mutter ist es im Grunde, und die, welche es nicht ist, ist entweder eine Göttin oder aber wahrscheinlich ein krankes Tier. Nun will aber diese Henne N. nicht Hühnchen, sondern Menschen zu Kindern haben, darf also ihre Kinder nicht allein erziehen.
Brief an Elli Hermann (Herbst 1921)
Ich will ja gar nichts anderes, als dass die Welt so eingerichtet wird, dass die Menschen nicht ihre überflüssigen Anhängsel sind, sondern dass, in Gottes Namen, die Dinge um der Menschen willen da sind und nicht die Menschen um der Dinge willen, die sie noch dazu selbst gemacht haben. Und dass sie sie selbst gemacht haben, dass die Institutionen schließlich auf die Menschen zurückweisen, das ist für mich jedenfalls ein sehr geringer Trost.
Wer aber vom Kapitalismus nicht reden will, sollte auch vom Faschismus schweigen.
Wenn ich auch nicht viel von Politik verstehe, und auch nicht den Ehrgeiz habe, es zu tun, so habe ich doch ein bisschen ein Gefühl, was Recht und Unrecht ist, denn dies hat ja mit Politik und Nationalität nichts zu tun. Und ich könnte heulen, wie gemein die Menschen auch in der großen Politik sind, wie sie ihren Bruder verraten um eines Vorteils willen vielleicht. Könnte einem da nicht manchmal der Mut vergehen? Oft wünsche ich mir nichts, als auf einer Robinson-Crusoe-Insel zu leben.
29. Mai 1940
Nicht den Tod sollte man fürchten, sondern daß man nie beginnen wird, zu leben.
"Selbstbetrachtungen"
Sollten wir alle bei einer atomaren Massenvernichtung umkommen, so wird das nicht daran liegen, dass der Mensch nicht fähig war, menschlich zu werden, oder dass er von Natur aus böse ist; es wird daran liegen, dass der Konsens der Dummheit ihn daran hinderte, die Wirklichkeit zu sehen und sich dementsprechend zu verhalten.
Aber die Sprache um ein Wort ärmer machen heißt das Denken der Nation um einen Begriff ärmer machen.
Predige nicht den schmalen Pfad, während du fröhlich auf dem weiten gehst. Predige den weiten Pfad, oder predige gar nicht; aber halte dich nicht selbst zum Narren, indem du sagst, du würdest gerne helfen, eine freie Gesellschaft einzuleiten, aber du kannst dafür keinen Lehnstuhl opfern. Sage ehrlich, "Ich liebe Lehnstühle mehr als freie Menschen, und wähle es nach ihnen zu streben; nicht, weil der Umstand mich dazu zwingt. Ich liebe Hüte, große, große Hüte, mit vielen Federn und grossen Bögen; und ich möchte lieber diese Hüte haben, als mich mit sozialen Träumen zu sorgen, die zu meinen Lebzeiten nie verwirklicht sein werden. Die Welt betet Hüte an, und ich möchte mit ihnen beten."

Solltest du aber die Freiheit und den Stolz und die Stärke der einzelnen Seele suchen, und die freie Brüderlichkeit der Menschen, als den Zweck, den dein Leben manifestieren soll, dann verkaufe es nicht für Krimskrams. Glaube, dass deine Seele stark ist und den Weg beibehalten kann; und langsam, durch erbittertes Ringen, wird vielleicht die Stärke wachsen. Und der Verzicht auf Besitztümer, für die andere die letzte Möglichkeit der Freiheit eintauschen, wird einfach werden.

Am Ende deines Lebens kannst du deine Augen schließen und sagen: "Ich wurde nicht dominiert von der dominanten Idee meines Zeitalters; Ich habe meine Loyalität selbst ausgesucht, und habe ihr gedient. Ich habe durch eine Lebenszeit bewiesen, dass es etwas im Menschen gibt, das ihn vor absoluter Tyrannei der Umstände rettet, und letztlich die Umstände erobert und umformt; das unsterbliche Feuer des einzelnen Willen, welches die Erlösung der Zukunft ist.
Der wahre Grund für die unabwendbare, prinzipielle Überlegenheit aller totalitären Propaganda über die Propaganda aller anderen Parteien oder Regierungen ist, daß ihr Inhalt - jedenfalls für die Mitglieder der Bewegung und die Bevölkerung eines totalitären Landes - nichts mehr mit Meinungen zu tun hat, über die man streiten könnte, sondern zu einem ebenso unangreifbar realen Element ihres täglichen Lebens geworden ist, wie daß zwei mal zwei vier ist. Die Vorteile einer Propaganda, die sich niemals nur auf sich selbst und ihre Argumente verläßt, sondern zu der von vornherein "die Gewalt der Organisation hinzutritt" [aus der Fußnote dazu: "Für totalitäte Zwecke ist es ein Fehler, ihre Ideologie durch Lehre oder Überzeugung zu verbreiten. Sie kann, in den Worten Robert Leys, 'nicht gelehrt' und 'nicht gelernt', nur 'exerziert' und 'geübt' werden."], in der sie durch Gewalt ständig und unmittelbar verwirklicht, was sie sagt, sind so außerordentlich, daß es fast schon eine gefährliche Unterschätzung ihrer Möglichkeiten ist, sie noch mit dem Namen Propaganda zu belegen. Alle bloßen Argumente gegen sie, die ja aus einer Wirklichkeit stammen, welche die Bewegung ohnehin zu ändern verspricht, sind bereits im vorhinein dadurch disqualifiziert, daß die Massen die wirkliche Welt weder akzeptieren können noch akzeptieren wollen. Totalitäre Propaganda ist keine Propaganda im üblichen Sinn und kann daher nicht durch Gegenpropaganda widerlegt oder bekämpft werden. Sie ist Teil der totalitären Welt und wird nur mit ihr zusammen vernichtet.
"Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft", S. 537
Natürlich ist es "nützlicher", Unrecht zu tun als Unrecht zu leiden; um des denkenden Dialogs mit mir selbst willen muss gerade dieser Nützlichkeitsstandpunkt aufgegeben werden.
"Wahrheit und Politik"
Es ist möglicherweise der spektakulärste Moment des Widerstands des zwanzigsten Jahrhunderts, der mir einfällt.. die Tatsache, dass fünf kleine Kinder, im Rachen des Wolfes, wo es wirklich darauf ankam, die ungeheure Courage hatte, zu tun, was sie taten, ist spektakulär für mich. Ich weiß, dass die Welt besser ist, weil sie da waren, aber ich weiß nicht warum.
Zur Philosophie verhält sich die Poesie, wie die Erfahrung sich zur empirischen Wissenschaft verhält.
Unsere historischen Erfahrungen zeigen, daß es für den Ernst- und Krisenfall keinen wirksameren, ja keinen anderen Verfassungschutz gibt als die spontane Bereitschaft des Volks, für seine Verfassung zu kämpfen, das heißt die Verwurzelung der verfassungsmäßigen Rechte und Werte im Volke selber, also der Zustand, daß sich das Volk mit seiner Verfassung identifiziert.
Der etwas ältere Mensch ist nicht mehr gefährdet durch die Nachstellungen weiblicher Frauen. Weil sie wissen, dass der verstorbene Geschlechtstrieb so leicht nicht mehr zu erwecken ist. Und er selbst, also der ehemalige Sexbereite, vergisst nach und nach seine Sexwilligkeit und erspart sich damit viel Ärger. Wenn er nicht mehr daran denkt, was ihn bis da ja völlig ausfüllte, kann er sich endlich mit vernünftigen Denkthemen beschäftigen. Oder er kann etwas lesen.
BILD (2011)
Die Liebe, die plötzlich entsteht, heilt am schwersten.
Es ist ein Vorzug des Menschen, auch diejenigen zu lieben, die ihn beleidigen. Dahin gelangt man erst, wenn man bedenkt, daß die Menschen mit uns eines Geschlechtes sind, daß sie aus Unwissenheit und gegen ihren Willen fehlen, daß ihr beide nach kurzer Zeit tot sein werdet, und vor allem, daß dein Widersacher dich nicht beschädigt hat. Denn er hat die in dir herrschende Vernunft doch nicht anders gemacht, als sie zuvor war.
"Selbstbetrachtungen"