2 y ago in Zitate
Wenn die Weltgeschichte nicht so beschissen wäre, wäre es eine Lust zu leben. Dies ist es aber auf jeden Fall.
  2 y ago in Zitate
Der Mut befreit von der Sorge um das Leben, für die Freiheit der Welt. Des Mutes bedarf es, weil es in der Politik primär niemals um das Leben, sondern immer um die Welt geht, die so oder anders aussehen, so oder anders uns überdauern soll.
"Freiheit und Politik"
  5 y ago in Zitate
Du kannst auf dieser Welt nur leben, wenn Du sie zu Deiner Geliebten machst. Sie mit diesen Wundern und Grausamkeiten annimmst und zwischen beiden das Gleichgewicht findest. Sonst wirst Du sie nicht so verlassen können, wie Du es vorhast - laut lachend auf einem silbernen Vogel fliegend und bis zum Rand erfüllt mit allem, was sie Dir zu bieten hatte.
"Wörterbuch der Lebenskunst"
TagsLeben
  5 y ago in Zitate
Nicht den Tod sollte man fürchten, sondern daß man nie beginnen wird, zu leben.
"Selbstbetrachtungen"
  5 y ago in Zitate
Freunde sind vorherbestimmt; Freundschaft findet statt zwischen Männern und Frauen, die eine intellektuelle und emotionale Zuneigung für einander haben. Aber Kameradschaft - dieses ekstatische Hochgefühl, das daherrührt, in Kriegszeiten zur Masse zu gehören - die ist in unserer Reichweite. Wir alle können Kameraden haben. Die Gefahr der äußeren Bedrohung, die entsteht, wenn wir einen Feind haben, erzeugt keine Freundschaft; sie erzeugt Kameradschaft. Und die im Krieg täuschen sich darüber, was sie durchmachen. Und deshalb werden Kameraden wieder zu Fremden für uns, sobald die Bedrohung vorbei ist und der Krieg endet. Das ist der Grund, warum wir nach dem Krieg in Verzweiflung verfallen.

In der Freundschaft gibt es eine Vertiefung unserer Wahrnehmung unserer selbst. Wir nehmen durch einen Freund stärker war, wer wir selbst sind; wir finden uns selbst in den Augen des Freundes. Freunde bohren und fragen nach, sie fordern einander heraus vollständiger zu werden; bei der Kameradschaft von der Art, wie sie in patriotischem Eifer zu uns kommt, gibt es eine Unterdrückung der Selbstwahrnehmung, der Selbstkenntnis, und der Eigenverantwortlichkeit. Kameraden verlieren ihre Identät im Krieg für den kollektiven Rausch einer gemeinsamen Sache, eines gemeinsamen Zieles.

Bei der Kameradschaft gibt es keine Ansprüche an das Selbst. Das ist Teil ihrer Anziehungskraft und einer der Gründe, warum wir sie missen und wiederherzustellen suchen. Kameradschaft erlaubt uns, den Anforderung an das Selbst zu entfliehen, die Teil der Freundschaft sind. Wenn wir uns im Krieg bedroht fühlen, sehen wir dem Tod nicht alleine ins Gesicht, sondern als Gruppe, und dies macht den Tod leichter zu ertragen. Wir adeln die Selbstaufopferung für einander, für die Kameraden; kurz, wir beginnen, den Tod anzubeten. Und das ist es, was der Gott des Krieges von uns verlangt.

Zum Schluß bedenke, was es bedeutet, für einen Freund zu sterben. Es ist bewußt und schmerzhaft; es bereitet keine Ekstase. Für Freunde ist Sterben schwer und bitter. Der Dialog, den sie führen und schätzen, wird vielleicht nie wieder fortgesetzt werden. Freunde lieben Tod und Opfer nicht auf die Art, auf die es Kameraden tun. Für Freunde ist die Aussicht des Todes erschreckend. Und das ist der Grund warum Freundschaft, oder Liebe, der stärkste Gegner des Krieges ist.
  5 y ago in Zitate
Den Augenblick immer als den höchsten Brennpunkt der Existenz, auf den die ganze Vergangenheit nur vorbereitete, ansehen und genießen, das würde Leben heißen!
TagsLeben
  5 y ago in Zitate
Alexander von Mazedonien und sein Maultiertreiber haben nach ihrem Tode dassselbe Schicksal erfahren. Denn entweder wurden sie in dieselben Lebenskeime der Welt aufgenommen oder der eine wie der andere unter die Atome zerstreut.
"Selbstbetrachtungen"
  5 y ago in Zitate
"Je eher und schöner das Leben Vergeuden, desto besser" schreiben Sie. Mag es so sein, wenn sie wollen. Aber glauben sie mir, mit Fieber wird das Leben nicht "schön" vergeudet, ja nicht einmal "eher". Ich bin hier nicht in einem eigentlichen Sanatorium, in einem Sanatorium mag der Eindruck noch viel stärker sein, aber auch hier sehe ich, wenn ich mich umschaue, nichts von schöner und schneller Vergeudung, man vergeudet nicht, man wird vergeudet. Und dagegen kann man sich mit ihrer frischen Jugend wunderbar wehren und das müssen Sie. Vorausgesetzt, daß überhaupt ein Angriff vorliegt, was ich nicht weiß und gern nicht glauben will. Aber wenn wirkliches Fieber da ist, regelmäßig 37° oder darüber, mit dem Thermometer im Mund gemessen, dann müssen sie sofort zum Arzt, das ist doch selbstverständlich. Dann fort mit Robinson, vorläufig wenigstens, auch Robinson wurde, als er einmal Fieber hatte, von einem Schiff abgeholt und erst als er wieder zuhause gesund geworden war, durfte er wieder wegfahren und wieder Robinson werden. In seinem Buch hat er dann dieses Kapitel gestrichen, weil er sich geschämt hat, aber um seine Gesundheit war er jedenfalls sehr besorgt, und was der große Robinson durfte, wird wohl auch die kleine Minze dürfen.
Brief an Minze (März 1921)